Philosophie
Jedem Konzept liegt eine bestimmte Philosophie zugrunde, eine bestimmte Sicht auf die Menschen und die Welt. Wir möchten hier unsere Sicht beschreiben.
Unser Menschenbild
Für uns ist der Mensch kein unbeschriebenes Blatt, wenn er auf diese Welt kommt.
Jedem Menschenwesen wohnt ein eigenes körperliches, geistiges, seelisches und spirituelles Potential inne, wenn es auf die Welt kommt. Gleichzeitig ist es ab-hängig von den Möglichkeiten, die es bekommt, dieses Potential hier zu entwi-ckeln und zu entfalten.
Jeder Mensch besitzt eine Würde, die von uns verlangt, sein Selbst zu achten und ihm zu ermöglichen, es selbst werden zu können.
Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch körperliche, geistige, seelische und spi-rituelle Fähigkeiten hat, die aber unterschiedlich gewichtet sind. Das heißt, je-des Individuum bringt sein SEIN auch anders zum Ausdruck.
Menschen können zum Beispiel unterschiedliche Ausprägungen von Gefühlen, In-tuitionen, Antrieben oder auch unterschiedliche Sprachen, Geschichten, Ge-schlechter, Körper oder Kulturen etc. haben. Erst das individuelle Zusammen-spiel macht einen Menschen aus.
Jeder Mensch ist für uns originär.
Jeder Mensch hat eine eigene Wahrnehmung der Welt. Was für einen Menschen wahr, gut und richtig ist, kann er deshalb letztendlich nur selbst entscheiden. Diese Entscheidungsfähigkeit ist gekoppelt an Entwicklungsprozesse. Im Laufe dieses Entwicklungsprozesses soll das Kind innerhalb eines größtmöglichen Hand-lungsrahmens seine Entscheidungskompetenz erweitern, indem es lernt, egozent-rische Wünsche und äußere Grenzen wahrzunehmen, in sein Denken und Handeln zu integrieren und so über sich selbst zu bestimmen und eigenverantwortlich zu handeln.
In diesem Sinne besitzt der Mensch Souveränität.
Du und ich
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Um sich von einem egozentrischen zu einem sozialen Wesen entwickeln zu können, muss man sich in Beziehung zu anderen Menschen setzen.
Der Mensch befindet sich immer in einem Spannungsfeld zwischen Indivi-duation (Selbstwerdung) und Anpassung an die Gesellschaft. Sozialisation beschreibt diesen schwierigen Prozess.
Während die Individuation, die Selbstwerdung, den Blick immer nach innen auf sich richtet, und der Mensch sich immer wieder fragt: Was sind meine Fähigkei-ten und Fertigkeiten? Was fühle ich? Was denke ich darüber? - betrachtet die Sozialisation die Möglichkeiten, dieses erfahrene Sein nach außen zu wenden und an die Realität abzugleichen. D. h. zu versuchen, sich selbst unter Einbeziehung der Wahrnehmung anderer Menschen und äußerer Gegebenheiten umzusetzen. Der Blick richtet sich jetzt nach außen und die Frage stellt sich: Wo stoße ich an die Grenzen meiner Mitmenschen und meiner Umwelt?
Selbstwerdung und Anpassung sind die beiden sich immer wieder bedin-genden Entwicklungsschritte des Menschen.
Einerseits heißt es, sich selbst wahrzunehmen, über sich selbst bewusst zu wer-den und nach außen vertreten zu lernen, andererseits gilt es aber auch, die Fä-higkeiten, Möglichkeiten, Ansprüche und Gefühle anderer wahrzunehmen und mit ihnen in Kontakt zu treten:
So eröffnet sich dem Menschen eine neue Dimension der Selbstwerdung als einem sozialen Wesen.
Nur durch die Wahrnehmung anderer, im Kontakt mit anderen Menschen und in der Auseinandersetzung mit ihnen kann man sich selbst auch als ein soziales We-sen erfahren, das auch das Miteinander braucht und liebt. So brauchen wir den anderen Menschen, um uns über einen Teil unserer selbst bewusst zu werden.
Erst in der Interaktion kann das Kind sich selbst als ein differenziertes, aber auch gleiches Wesen erfahren.
Im Zusammensein mit anderen ist es möglich, dort eine eigene Grenze zu erfah-ren, in dem ich nämlich an die Grenzen der anderen stoße. Die Grenze zwischen dem "Ich" und "Du" markiert den Punkt, von dem aus wir uns als unterschiedlich wahrnehmen können. Wir brauchen also den anderen, um uns darüber bewusst zu werden, dass wir verschieden sind und wie verschieden wir sind. Aber erst durch das Zusammenleben und das Wahrnehmen der anderen Menschen können auch deren, von uns verschiedenen Ideen, Gedanken, Fähigkeiten und Eigenheiten evtl. als Bereicherung und Unterstützung wahrgenommen werden. Wir brauchen die Beziehung zu anderen Menschen aber auch, um uns unsere Gemeinsamkeiten als Menschenwesen bewusst zu machen.
Gemeinsamkeiten können uns bestärken und eine Basis für Beziehungen sein. Entdecke ich eine Gemeinsamkeit mit einem anderen Menschen, so werde ich mir auch gleichzeitig darüber bewusst, dass dies auch ein Teil meines Selbst ist.
Der Kontakt mit anderen Menschen besteht aus einem Prozess, in dem uns immer wieder Unterschiede und Gemeinsamkeiten bewusst werden. Dieses Bewusstsein kann genutzt werden, um sich so auch über sich selbst immer bewusster zu werden und sich dadurch selbst besser verwirklichen zu können, aber auch, um mit den anderen zusammen zu einem befriedigen-deren Zusammenleben zu finden.
Das Spannungsfeld zwischen dem egozentrischen Wesen und den Bedürfnissen der anderen, lässt uns nach immer neuen Wegen, Möglichkeiten und Konfliktlö-sungen suchen und macht eine Entwicklung zu einem sozialen Wesen möglich.
Die Umwelt
Es sind nicht nur die Grenzen unserer Mitmenschen, an die wir stoßen. Auch die Umwelt, unter der wir zum Beispiel Natur, Technik, Kultur, Reli-gion, Familie, Gemeinwesen etc. verstehen, setzt uns Grenzen, und wir tre-ten mit ihr in ein ähnliches Zusammenspiel ein.
Die Grenzen, die uns unsere Umwelt setzt, scheinen uns oft übermächtig und unveränderbar. Da sich unsere Welt aber immer weiterentwickelt und verändert, verändern sich damit auch ihre Strukturen und Grenzen. Jedoch für diesen einen Augenblick existieren sie so. Das heißt, in der Welt, in der wir gerade leben, gibt es Regeln und Normen, an die wir uns anpassen, um zu überleben. Diese beste-henden Strukturen sind wichtig und nützlich, denn sie helfen, sich in diesem Le-ben zurechtzufinden.
Die Menschen sollten sich anpassen können, ohne zu vergessen, dass die Normen veränderbar bleiben.
Wir denken, dass jeder Mensch sich an Normen und Regeln anpassen sollte, die uns zur Lebensbewältigung helfen - an die Regeln und Normen, die wir brauchen, um uns orientieren zu können und gut zusammen zu leben. Normen und Regeln sollen uns ein für alle gutes Miteinander gewährleisten, uns nicht nur einschrän-ken, sondern auch Raum lassen und schaffen, uns als unterschiedlich wahrzuneh-men und diese Unterschiedlichkeit frei entfalten zu können.
Normen und Regeln, die hier und heute für uns wichtig und wertvoll sind, möchten wir uns bewahren. Andere Normen und Regeln können wir vielleicht verändern.
Nur diese Freiheit über das Festgelegte hinaus, bietet uns die Möglichkeit zur Innovation und nur dadurch entwickeln wir uns weiter und eröffnen uns Vor-stellungen von einer möglicherweise besseren Welt.